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Meine damaligen Überlegungen

Bevor ich mit dem praktischen Unterricht begann, kreisten meine Überlegungen immer darum, dass ich zwei unterschiedliche Vorbereitungen für die Stunden anfertigen muss und dann würde es schon laufen. Aber schnell musste ich erleben, dass jahrgangsübergreifender Unterricht viel mehr ist. Zwischenzeitlich schrieb ich später bis zu acht unterschiedliche Wochenpläne für den Unterricht.

Die ersten Schultage

Die Sommerferien gingen zu Ende und so empfing ich am ersten Schultag eine 2. Klasse, die ebenso gespannt war, wie ich. Um das “Experiment” des jahrgangsübergreifenden Unterrichts starten zu können, war nun eine zweite Klasse geteilt worden. In den verbleibenden Tagen vor der Einschulung studierten wir jedoch mit der kompletten zweiten Klasse einen Tanz ein, der auf der Einschulungsfeier der Erstklässler in der Aula gezeigt werden sollte.

Als Giraffen und Löwen verkleidet, gingen die Kinder auf der Bühne “Auf Safari” und warteten gespannt im Klassenraum, welche Kinder aus dem Publikum nun gleich mit ihnen im Klassenzimmer sitzen werden. Für mich eine ungewohnte Situation, dass nicht alle Kinder neu im Klassenverband sind.

Doch schon in dieser Situation überraschten mich die Kinder: Ich hatte die Namenschilder der Erstklässler auf die Fensterbank gestellt, um gleich feststellen zu können, welche Kinder ihren Namen schon erkennen und lesen können. Von den 11 Kindern, hatten zwei Kinder Probleme ihren Namen zu finden. Schon sprangen einige Zweitklässler auf, um zu helfen.

Ich begann für die zweite Klasse mit der Schreibschrift. Ich war nun der Meinung, dass ich jeden Buchstaben erklären müsste, damit die Kinder auch die richtige Schreibrichtung und damit einen richtigen Schreibfluss bekommen. Ich wurde schon bald eines besseren belehrt.
Die erste Klasse lernte anhand der Lauttabelle die Buchstaben und Laute kennen. Zudem arbeiteten wir zur phonologischen Bewusstheit.

Diese Inhalte reichten schon aus, um mein im Kopf gestricktes Konzept durcheinander zu bringen, denn nach ungefähr 4 Wochen waren die Leistungsstände so auseinander gelaufen, dass ich nicht mehr wusste, wie ich weiter arbeiten sollte. Einige Kinder der ersten Klasse hatten durch das freie Schreiben mit der Anlauttabelle bereits das Prinzip des Lesens verstanden, andere konnten sich keinen Laut merken. Ein ähnliches Bild in der zweiten Klasse: Wir hatten gute Leser, die auch schwierige Texte fließend und mit Betonung lasen und andere waren lediglich in der Lage, einfache lautgetreue Wörter zu erlesen. Den einen bereitete die Schreibschrift keinerlei Probleme, anderen wollte es dagegen überhaupt nicht gelingen. Dann hatten wir noch eine Erstklässlerin, die bereits fließend lesen konnte.

Doch weiterhin versuchte ich den Unterricht für die jeweiligen Klassenstufen im Gleichschritt zu unterrichten, um die Schüler kontrollieren zu können.
Als endlich die Herbstferien erreicht waren, war ich fix und fertig. Ich zog mein Resümee und wusste, dass ich mein Unterrichtskonzept ändern musste.

Veränderungen im Unterrichtskonzept

Die wesentlichen Veränderungen

  • Ich musste das “Loslassen” lernen und das individuelle Arbeiten der Schüler zu lassen.
  • Ich musste lernen, dass meine Rolle im Unterricht nun eine ganz andere war.
  • Ich veränderte das Arbeitsmaterial der Schüler.

Wichtig war die Erkenntnis, dass die Schülerinnen und Schüler auch ohne mich lernen und das meine Aufgabe vielmehr war, im Vorfeld der Stunden Unterrichtsmaterial zusammen zu stellen, das ein individuelles und eigenständiges Lernen ermöglicht.
Der Frontalunterricht in den Stunden verschwand und ich war innerhalb der Stunden nur noch ein Lernberater für die Schülerinnen und Schüler.

Schon bald merkte ich die Veränderungen. Durch das veränderte Arbeitsmaterial waren die Schüler durchgehend beschäftigt und jeder arbeitete individuell in seinem Tempo an den Aufgabenstellungen. Das gab mir die Zeit, mich auch individuell um die Schüler kümmern zu können.

Heute bin ich ein “absoluter Fan” dieser Unterrichtsform und möchte alle Kollegen ermutigen, die Herausforderung des jahrgangsübergreifenden Unterricht einzugehen! Unter dem Punkt “Projekt” habe ich, die für mich wichtigsten Punkte zusammengestellt.

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